Bei der Winkelhalden AG in Oberrieden (ZH) sind die Bewohner:innen einer Alterswohnsiedlung zugleich Aktionär:innen. Mit Konsento stellte die Gesellschaft von teuren Bucheffekten auf einfache Wertrechte mit Blankozession um – rechtskonform, ohne Bank und mit über 75 % tieferen Kosten.
Eine Aktiengesellschaft, die Gemeinschaft lebt
Die Winkelhalden AG in Oberrieden (ZH) ist keine gewöhnliche Aktiengesellschaft. Sie wurde gegründet, um ein gemeinschaftliches Wohnmodell für die dritte Lebensphase zu ermöglichen – selbstbestimmt, solidarisch und menschlich nah.
Ein Aktionärsbindungsvertrag (ABV) sichert diese kooperative Philosophie rechtlich ab. Über darin geregelte Kaufrechtsfälle wird zugleich die Nachfolge organisiert, wenn Bewohner:innen und Aktionär:innen die Siedlung verlassen oder versterben.
In der Siedlung «Winkelhalden – Anders wohnen im Alter» leben Menschen ab 50, die nicht nur Mieter:innen, sondern zugleich Aktionär:innen der Gesellschaft sind. Das Durchschnittsalter aller Mieter:innen bzw. Aktionär:innen beträgt aktuell 70 Jahre.
Dieses Modell schafft eine besondere Form von Zugehörigkeit: Wer hier lebt, trägt Verantwortung, entscheidet mit und gestaltet das Zusammenleben aktiv mit. Gerade diese enge Verbindung von Wohnen und Eigentum bringt jedoch auch rechtliche und organisatorische Anforderungen mit sich.
Denn mit jeder Wohnung sind Aktien verbunden. Endet ein Mietverhältnis – etwa durch Umzug, Pflegefall oder Todesfall –, müssen die betreffenden Aktien rechtskonform und rasch auf neue Bewohner:innen übertragen werden können. Und zwar nötigenfalls auch dann, wenn der bisherige Aktionär oder die bisherige Aktionärin selbst nicht mehr mitwirken kann.
Als Rechtssicherheit noch über die Bank organisiert wurde
Um diese Handlungsfähigkeit sicherzustellen, hatte die Winkelhalden AG ihre Aktien ursprünglich als Bucheffekten ausgestaltet. Sämtliche Aktien lagen in einem Wertschriftendepot bei einer Bank als Verwahrstelle; ergänzend bestanden eine Sicherungsvereinbarung und eine Kontrollvereinbarung gemäss Art. 25 des Bucheffektengesetzes (BEG).
Das Modell erfüllte seinen Zweck. Trat ein sogenanntes Verwertungsereignis ein – etwa der Tod eines Aktionärs –, konnte die Bank die Aktien direkt an einen neuen Aktionär übertragen. Die Gesellschaft blieb damit auch in schwierigen Situationen handlungsfähig.
Diese Sicherheit hatte allerdings ihren Preis. Für Verwahrung und Kontrollvereinbarung fielen jährlich rund CHF 20'000 an – bei lediglich 69 Aktionär:innen. Für eine nicht kotierte Gesellschaft mit sozialem Ziel wurde eine Struktur, die rechtlich zuverlässig funktionierte, damit zunehmend zu einer finanziellen und administrativen Belastung.
Die entscheidende Frage: Geht es auch einfacher?
Als die bisherige Verwahrstelle den Vertrag kündigte, wurde aus dieser Belastung eine konkrete Gestaltungsfrage: Wie lässt sich die bisherige Rechtssicherheit erhalten, ohne erneut dieselbe Abhängigkeit und denselben Aufwand aufzubauen? Gesucht war eine Lösung, mit der die Gesellschaft unabhängiger, einfacher und vor allem kosteneffizienter handeln konnte.
Der Verwaltungsrat beauftragte deshalb eine Projektgruppe mit der Suche nach einer Alternative. Sie sollte rechtskonform bleiben, sich intern umsetzen lassen und gleichzeitig den Verwaltungs- und Finanzaufwand deutlich reduzieren.
Im Kern ging es damit nicht um einen blossen technischen Ersatz für die bisherige Verwahrstruktur. Gefragt war eine Gesamtlösung, die juristische Belastbarkeit und praktische Umsetzbarkeit miteinander verbindet.
Von Bucheffekten zu einfachen Wertrechten – mit Blankozession als Sicherung
Gemeinsam mit Konsento entwickelte die Winkelhalden AG ein neues Sicherungsmodell. An die Stelle der bisherigen Bucheffekten traten einfache Wertrechte nach Art. 973c OR. Die Aktien werden weiterhin digital geführt, müssen dafür aber nicht mehr bei einer externen Verwahrstelle liegen.
Entscheidend ist dabei die Blankozession. Sie stellt sicher, dass Aktien bei Eintritt eines definierten Ereignisses auch ohne Mitwirkung des bisherigen Aktionärs oder der bisherigen Aktionärin übertragen werden können.
Beim Erwerb der Aktien unterzeichnen deshalb alle Aktionär:innen eine vorgängig datierte Abtretungserklärung zugunsten der Gesellschaft.
Wirksam wird diese Abtretung erst dann, wenn ein vordefiniertes Verwertungsereignis eintritt – etwa Tod, ein Wohnsitz ausserhalb der Siedlung oder die Insolvenz des Mieters oder der Mieterin.
Ob ein solches Ereignis vorliegt, stellt der Verwaltungsrat mit Bezug auf einen im ABV geregelten Kaufrechtsfall fest. Erst danach überträgt die Gesellschaft die Aktien auf neue Bewohner:innen.
So bleibt die Gesellschaft handlungsfähig, ohne auf eine externe Verwahrstelle angewiesen zu sein. Das Modell ist rechtskonform und klar strukturiert – und reduziert die bisherigen jährlichen Kosten um mehr als 75 %.
Wie aus dem rechtlichen Konzept eine praktikable Lösung wurde
Damit war die rechtliche Grundidee gefunden. Entscheidend war nun, sie so umzusetzen, dass sie nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern im Alltag der Winkelhalden AG. Dafür mussten rechtliche Dokumente, Aktienregister und interne Abläufe ineinandergreifen.
Vier Elemente waren dafür besonders wichtig.
Am Anfang stand das Lösungsdesign. Konsento begleitete die Winkelhalden AG von der rechtlichen Konzeptphase bis zur Anpassung der Statuten und des Aktionärsbindungsvertrags sowie zur Einführung der Blankozessionen, die für den Wechsel von Bucheffekten auf einfache Wertrechte erforderlich waren. Für juristische Spezialfragen zog Konsento externe Spezialisten bei. Weil das Lösungsdesign bereits vorbereitet war, konnten sie gezielt und punktuell beraten. So entstand ein Modell, das die juristischen Anforderungen des Aktienrechts mit den besonderen Bedürfnissen dieser Alterswohnsiedlung verbindet.
Auch die Nummerierung der Aktien wurde an die konkrete Realität der Siedlung angepasst. Im Konsento-Aktienregister ordnet die Winkelhalden AG den nummerierten Aktien jedes Aktionärs bzw. jeder Aktionärin zugleich die entsprechende Wohneinheit zu – beispielsweise «Aktien 1 - 68'925 B4-01 4'432'454 - 4'442'372 D4-02 Kauf 33'435». Die Nummerierung lässt sich in Konsento individuell gestalten und bildet die Eigentumsverhältnisse damit so ab, wie es die konkrete Struktur des Unternehmens verlangt.
Das digitale Aktienregister verbindet diese Struktur mit dem Dokumentenmanagement. Jede Aktientransaktion wird im System erfasst und direkt mit den zugehörigen Rechtsdokumenten verknüpft. Kaufvertrag und Abtretungserklärung sind dadurch gemeinsam mit der Transaktion archiviert und jederzeit abrufbar. Über die gesamte Übertragungskette hinweg entsteht so ein lückenloser, revisionssicherer Nachweis.
Transparenz entsteht schliesslich dadurch, dass auch sämtliche Aktientransaktionen der Aktionär:innen im Register dokumentiert werden. Der Verwaltungsrat und jede einzelne Aktionärin bzw. jeder einzelne Aktionär behalten damit jederzeit den Überblick über die Kapitalstruktur und können ihre Nachweispflichten mit wenigen Klicks erfüllen. Zugleich bleibt das System einfach bedienbar – auch für ältere Aktionär:innen – und macht die Verwaltung nachvollziehbar, transparent und vertrauenswürdig.
Was sich für die Winkelhalden AG verändert hat
Die finanzielle Wirkung ist unmittelbar: Gegenüber dem bisherigen System sinken die Kosten um mehr als 75 %.
Gleichzeitig bleibt die Rechtskonformität gewahrt. Die Blankozessionen ermöglichen es der Gesellschaft, Aktien im Notfall auch ohne Mitwirkung des bisherigen Aktionärs auf dessen Rechtsnachfolger zu übertragen. Die aufschiebende Bedingung des Sicherungsereignisses schützt dabei auch den Aktionär bzw. die Aktionärin davor, übervorteilt zu werden.
Aus der komplexen Bankstruktur wird damit ein deutlich einfacherer Prozess: ohne Bank, ohne Kontrollvereinbarung und ohne externe Abhängigkeit.
Auch die Aktionärsverwaltung wird transparenter. Daten, Dokumente und Übertragungen sind digital nachvollziehbar. Alle Aktionär:innen erhalten einen eigenen Zugang zur Applikation, können sämtliche sie betreffenden Daten und Informationen einsehen, persönliche Daten mutieren und ihre Aktionärsrechte wahrnehmen – beispielsweise bei der Vorbereitung von und der Abstimmung an Generalversammlungen.
Vor allem aber gewinnt die Gesellschaft Eigenständigkeit zurück. Sie bleibt Herrin ihres Registers – und damit ganz im Geist des gemeinschaftlichen Wohnmodells.
Einfachheit, die verbindet
Die Geschichte der Winkelhalden AG zeigt, dass sich rechtliche Präzision, technologische Innovation und menschliche Werte nicht ausschliessen. Mit der Umstellung von Bucheffekten auf einfache Wertrechte mit Blankozession hat die Gesellschaft ihr Aktienregister nicht neu erfunden, sondern von unnötiger Komplexität, hohen Kosten und externen Abhängigkeiten befreit.
Entstanden ist eine rechtskonforme, einfache und zukunftssichere Form der modernen Aktionärsverwaltung – getragen von juristischem Know-how, digitaler Umsetzung und einem klaren Verständnis dafür, wie die Gesellschaft im Alltag funktioniert.

